Vergessene Landschaft Rieselfelder

Wer heute unsere Region oder sie Hauptstadt Berlin mit dem Auto oder der Bahn verlässt, wird unausweichlich das Gebiet der ehemaligen Rieselfelder durchqueren. Diese umschlossen einst die gesamte Stadt Berlin als Ringsystem, um deren Abwasser zu verrieseln. Von Osdorf als Ausgangspunkt, breiteten sie sich ab 1875 um die Stadt Berlin aus und gaben der Region den Namen ,,Speckgürtel von Berlin“. Im Jahre 1998 wurde im Gebiet von Güterfelde, auf dem letzten verbliebenen Rieselfeld unserer Region die Berieselung mit Abwasser eingestellt. Wer nun glaubt, eine Industriebrache vorzufinden irrt. Wanderer und Liebhaber des Reitsports haben diese neu entstandene Naturlandschaft bereits entdeckt. Dennoch gehören heute die ehemaligen Rieselfelder zur vergangenen fast vergessenen Berlin- brandenburgischen Erfolgsgeschichte, von der weit mehr als nur die  Bezeichnung ,,Speckgürtel“  geblieben ist. So war es an der Zeit, die Ereignisse um und auf den Rieselfeldern unserer Region zu erforschen, die einst unser Umland sowohl landschaftlich als auch gesellschaftlich prägten.

Im Jahre 1875 begann die Stadt Berlin auf eigens angekauften Versuchsfeldern, Abwasser zu verrieseln und diese dadurch großflächig landwirtschaftlich zu nutzen. Die Rittergüter Osdorf und Friederickenhof waren Ausgangspunkt für den Ankauf einer territorial gewaltigen Fläche, die schon bald die Größe  der Stadt Berlin erreichen sollte. Berlin befand sich zu dieser Zeit im wirtschaftlichen Aufschwung, die Rieselfelder ein Abfallprodukt des Aufschwungs speisten wiederum die pulsierende Reichshauptstadt mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und brachten der Region Arbeit. Folgende Jahreszahlen zeigen die Ausdehnung der Rieselflächen:

1876

Falkenberg

1881

Heinersdorf, Großbeeren und Teltower Parzellen

1881

Ruhlsdorf bei Teltow

1886

Gut und Vorwerk Schenkendorf (Schenkenhorst)

1890

Kleinbeeren und Sputendorf

1892

Gütergotz (Güterfelde)

1901

Rittergut Diedersdorf

1920

Waßmannsdorf und Stahnsdorf

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Im Jahre 1928 war die flächenmäßig größte Ausdehnung der Berliner Rieselfelder mit 10 000 ha bewirtschafteter  Fläche erreicht. Der Bau des Teltowkanals war zwar das herausragende Bauereignis der Jahrhundertwende, die Rieselfelder hingegen brachten der Region Erdbewegungen sowie landschaftliche Veränderungen, die durch den Teltowkanal nie erreicht wurden. So mussten alle neu angelegten Rieselflächen parzelliert, drainiert und von Dämmen umgeben werden, eine Arbeit die wiederum beim damaligen Stand der Technik Handarbeit war. Ein zuvor ausgeklügeltes System der Verrieselung begann auf dem höchsten Punkt des Rieselfeldes, sichtbar durch das Standrohr. Von hier aus wurde das ankommende Abwasser in Absetzbecken entschlammt, um eine Verschlickung der nachfolgenden Rieselbeete zu verhindern. Terrassenförmig angeordnet, wurde das Abwasser in nachfolgende tiefer gelegene Becken geleitet, um eine gleichmäßige Beschickung und Düngung mit Abwasser zu erreichen. Am untersten Teil der Rieselflächen befanden sich die am tiefsten Punkt gelegenen Drainagegräben, die das nunmehr gereinigte Abwasser aus der Drainschicht in den jeweiligen Vorfluter leiteten. In unserer Region wurde die Nuthe bei Saarmund als Vorfluter bestimmt. Zu den täglichen Arbeiten der Rieselwärter gehörte also die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Berieselungsflächen nach ökonomischen Gesichtspunkten. Pflegearbeiten, wie das Entkrauten der Abflussgräben gehörten dazu, ebenso Reparaturen des verzweigten Drainagesystems. Auch auf außergewöhnliche Wetterereignisse musste der Rieselwärter eingestellt sein. Wenn es beispielsweise in Berlin sehr stark regnete, kam das Abwasser ca. zwei Stunden später auf dem Rieselfeld an. Am Standrohr war dies kurze Zeit vorher durch ein grollendes Geräusch  am Ausgang der Rohrleitung zu hören. Das ankommende Wasser schob die Luft  der Leitung mit hoher Geschwindigkeit vor sich her, außerdem vibrierte die Erde sehr stark unter dem Druck  der Wassermassen. Der Winter wiederum brachte dem Rieselfeld Wassermassen, die wohl dosiert untergebracht werden mussten, da der Boden sonst im Frühjahr Schaden genommen hätte.

Betriebs-Partei-Organisation / Wasser-Entwässerung. Die Fahne der SED-Ortsgruppe Rieselfeld Sputendorf

Dies alles ist seit dem Jahr 1998 Geschichte, in diesem Jahr wurde das letzte Rieselfeld bei Güterfelde stillgelegt. Nachdem im Klärwerk Stahnsdorf Rückhaltebecken für starke Regenfälle geschaffen wurden, konnten somit diese letzten nur noch mit einer Ausnahmegenemigung betriebenen Rieselflächen aufgegeben werden. Der Rückgang der Berieselungsflächen allerdings begann schon mit dem Bau  des Stahnsdorfer Klärwerkes 1931 und nachfolgenden Klärwerken in Waßmannsdorf, Ruhleben und Schönerlinde. Heute sind noch die gut erhaltenen Standrohre aus den Anfangsjahren der Rieselfelder vorhanden. Am Rande von Güterfelde, Sputendorf, Schenkenhorst und am Ortseingang von Großbeeren sind die technischen Denkmale und einstigen Symbole der Berliner Stadtentwässerung zu sehen. Nicht zu sehen sind hingegen die im Boden versicherten Stoffe, die diese Flächen als Altlastenverdachtsflächen kennzeichnen. Wenn auch die Berieselung der Rieselfelder endgültig Geschichte geworden ist, so ist doch die Landschaft geprägt durch Bezeichnungen, die nach mehr geschichtlicher Aufklärung verlangen. Marggraffshof und Struveshof als Mustervorwerke der Berliner Stadtgüter zu Beispiel bekamen ihre Namen im Zuge der Erschließungsmaßnahmen im Gebiet um Gütergotz und Ludwigsfelde. Die meist nur mündlich überlieferten Flurnamen in dieser Region sind zurückzuführen auf die Entstehungsgeschichte der Rieselfelder, oder sie stammen sogar aus der Zeit der Schlacht bei Großbeeren. Die Kriegerdenkmäler der umliegenden Dörfer, einst aus dem Boden der Rieselfelder als Findlinge geborgen, tragen alle das Gesicht der ehemaligen Rieselfelder und sind somit auch Denkmäler der Rieselfelder geworden. Kriegsgeschehnisse fanden hier statt, Soldatengräber sind hier vorhanden, Bomben, die heute noch als Blindgänger im Boden lagern ebenso wie vergrabene Wertsachen von Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs haben Spuren hinterlassen. Spuren, die von Zwangsarbeiterunterkünften zeugen sind allerdings kaum noch zu finden, dennoch sind diese Teil der unrühmlichen Geschichte der Region. Der Wissenstand zu diesen Ereignissen befindet sich noch im Anfangsstadium und wird vielleicht auch nie Licht in das dunkle Kapitel bringen, zurückzuführen auf die Ablehnung der Nutznießer dieser Ereignisse. Andere Ereignisse sind wiederum aktenkundig belegt. So sind heute noch in den Grundbüchern der Bauern die Landverkäufe aufgezeichnet, die den ausdehnungsgrad der Rieselflächen nachweisen und dadurch den einstigen Wohlstand herbeiführten.

In der Schloßgeschichte von Güterfelde, die anlässlich des 200-jährigen Geburtstages 2004 gezeigt wurde, konnte der Besucher erfahren, dass dort die Arbeiter der Berliner Stadtentwässerung zur Genesung untergebracht waren. Finanzielle Zuwendungen von den Berliner Stadtgütern bekamen in unserer Region die Schulen in Ruhlsdorf und Sputendorf bereitgestellt, die wiederum von der Kirche verwaltet wurden. So ist auch die Aufarbeitung dieser Geschichte sehr umfangreich. Als kompliziert gestaltet sich außerdem die Beschaffung historischer Fotos vom einstigen Berufsstand Rieselwärter, Abbildungen aus der Entstehungszeit mit Rieselwärtern darauf, sind sehr selten und daher heute kaum noch vorhanden. Der einst häufigste Berufsstand unserer Region gilt außerdem als ausgestorben. Nachfolgende Generationen haben daher wenige Bezüge zur Arbeit ihrer Vorfahren, da eine detaillierte Aufarbeitung bisher noch nicht stattgefunden hat. Als umfangreiches geschichtliches Forschungsgebiet stellen sich daher die ehemaligen Rieselfelder unserer Region dar, ein Gebiet, das mehr zu bieten hat, als nur Abwasserverrieselung.

In meinem Buch  ,,Vergessene Landschaft Rieselfelder“ mache ich nun den Versuch, all diese Ereignisse der Region bekannt  zu machen. In zwölf Kapiteln kann der Leser teilhaben an den geschichtlichen Epochen der Rieselfelder bis in die Gegenwart. Historische Fotos und Dokumente unterstreichen Geschichten und Geschichte, einführend die Entwicklung der Region durch die Rieselfelder, die Schlacht bei Großbeeren, das Jahr 1945 mit den Kämpfen auf den Rieselfeldern, politische Machtverhältnisse und Eigentümerwechsel, die Jahre 1989/90 und vieles mehr machen aus dieser Reise durch eine vergessenen Landschaft eine bekannte Region. Ein Ansporn für alle Interessierten weiter zu recherchieren, Vervollständigung der Ortschronik oder einfach nur unterhaltsame Lektüre als eine erlebbare Zeitreise durch 200 Jahre Geschichte, das Buch ,,Vergessene Landschaft Rieselfelder“.

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Vergessene Landschaft Rieselfelder

 

 

Eine Zeitreise durch 200 Jahre Geschichte.

 

Es ist die Beschreibung einer Landschaft und deren Leute, die in der Berlin- brandenburgischen Geschichte bisher nicht zu finden war. Beschrieben wird die Entwicklungsgeschichte der ehemaligen Berliner Rieselfelder im Bereich Güterfelde bis nach Ludwigsfelde. In 12 Kapiteln erfährt der Leser alles über die Entstehung und Funktion der Rieselfelder, alte Flurnahmen, Standrohre, die Jahre der Wende 1989/90, das Hitlerattentat, Kriegsgeschehnisse im April und Mai 1945, Feldsteine Findlinge und vieles mehr. Einzigartige unverbrauchte Fotos z.B. vom Reichsarbeitsdienst, eine farbenprächtiges Ehrendiplom von 1911 sowie Gruppenfotos machen diese Geschichte erlebbar.

 

Artikel ist für 7,50 EUR in der Natura-Buchhandlung Kleinmachnow erhältlich.

 

 

Geschichte der ehemaligen Rieselfelder um Berlin 

de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Rieselfelder

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Chronik von Gütergotz

Güterfelde hatte die erste Dorfchronik

Im Jahre 1874 erschien die erste märkische Dorfchronik in gedruckter Form. Recht unspektakulär als Heft XII der ,,Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin“ war eine seiner Zeit recht modern und objektiv geschriebene Aufarbeitung von Regionalgeschichte entstanden, Geschichtsschreibung war in Mode gekommen. Der Pfarrer von Gütergotz, H.E.A. Brodersen war begeisterter Geschichtsforscher und durch sein Amt als Ortsgeistlicher hatte er den nötigen Zugang zu alten Akten und Dokumenten. Dennoch ist diese erste Chronik keine nur auf Geschichtszahlen basierende Aufzählung von Fakten, es wird vielmehr auch das alltägliche Leben der Dorfbewohner sowie allerlei politische Verstrickungen dargestellt. Teilweise in recht spannender Erzählweise spiegelt sich hier die Leidenschaft für das Dorfgeschehen wieder. In seinem Werk  ,,Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ berichtete später Theodor Fontane ausführlich über seinen Besuch im Dorf Gütergotz. Leider ist diese Chronik nur bis 1873 geführt worden, hoffnungsvoll aber  als Grundstein für eine Weiterführung gedacht.

Der Nachdruck dieser Chronik ist im Pfarramt Güterfelde gegen Abgabe einer Spende von 5.00 EUR erhältlich.

 

Evangelisches Pfarramt Güterfelde
Bürozeiten:
Montag und Dienstag  8.30 - 12.30 Uhr
14532 Stahnsdorf OT Güterfelde, Kirchplatz 11
Telefon: (03329) 62 127

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Stahnsdorfer Verkehrsgeschichte

 

Das Nachschlagewerk zur Stahsdorfer Verkehrsgeschichte. Zahlreiche Abbildungen zum Thema u.a. die Dampfstraßenbahn auch ,,Lahme Ente" genannt, weiterführend die Straßenbahn Linie 96, S-Bahn in Stahnsdorf mit altem Bahnhofsgebäude oder der Stahnsdorf ßenbahn Linie 96, S-Bahn in Stahnsdorf mit altem Bahnhofsgebäude oder der Stahnsdorf - Express, ein privates Omnibusunternehmen der Nachkriegszeit oder Treidelbahn auf d- Express, ein privates Omnibusunternehmen der Nachkriegszeit oder Treidelbahn auf dem Teltowkanal, hier ist für jeden Heimatverbundenen etwas dabei. Im Format A 4 mit 18 Seiten, ringgebunden, Preis 5.- EUR

 

Chronik von Stahnsdorf 14,- EUR, erhältlich in der Natura - Buchhandlung Kleinmachnow

erschienen am 17. November 2014.

5,- EUR